Fehmarn ist Deutschlands drittgrößte Insel, und sie ist eine der sonnenreichsten Regionen des Landes. Beides zusammen ergibt eine Rechnung, die Familien seit Jahrzehnten aufgeht: viel Strand, viel Licht, kurze Wege. Wer mit Kindern verreist, weiß, dass der schönste Strand nichts nützt, wenn das Wasser nach drei Metern zu tief ist, der Weg vom Parkplatz eine halbe Stunde dauert oder es weit und breit keine Toilette gibt. Genau danach haben wir sortiert.
Rund um die Insel liegen über zwanzig ausgewiesene Badestellen. Sie unterscheiden sich stärker, als man annimmt: Der Süden ist flach, geschützt und familiär, der Norden weiter und windiger, der Osten steil und geologisch spannend, der Westen ruhig und naturnah. Diese fünf Strände sind unsere Favoriten für den Urlaub mit Kindern – jeweils mit einer ehrlichen Einschätzung, für welches Alter sie taugen.
1. Südstrand Burgtiefe – der Familienklassiker
Wenn es einen Strand gibt, den fast jede Fehmarn-Familie kennt, dann diesen. Der Südstrand bei Burgtiefe zieht sich über mehrere Kilometer, hat feinen Sand, eine breite Promenade und ein Wasser, das über eine lange Strecke flach bleibt. Kinder können hier weit hinauslaufen, ohne dass die Eltern nervös werden.
Die Infrastruktur ist der eigentliche Trumpf: Strandkörbe, Toiletten, Spielplätze, Imbisse, Eis, Rettungsschwimmer in der Saison und – ganz entscheidend an Regentagen – ein Meerwasser-Erlebnisbad direkt am Strand. Wer schon einmal versucht hat, drei Kinder bei Dauerregen in einer Ferienwohnung zu beschäftigen, weiß dieses Angebot zu schätzen.
Geeignet für: alle Altersstufen, besonders Kleinkinder. Nachteil: In der Hochsaison ist der Abschnitt vor der Promenade voll. Wer Platz will, geht zehn Minuten nach Osten in Richtung Wulfener Hals – dort wird es sofort ruhiger, während das Wasser ähnlich flach bleibt.
2. Wulfener Hals – Natur, Sandbänke und Wind
Die schmale Landzunge im Südosten der Insel gehört zu den schönsten Naturräumen Fehmarns. Der Strand am Wulfener Hals ist weniger ausgebaut als der Südstrand, dafür weiter und wilder. Bei Niedrigwasser bilden sich Sandbänke, zwischen denen warme, knietiefe Becken stehen bleiben – für Kinder im Kindergartenalter ist das ein Riesenspielplatz.
Teile der Landzunge stehen unter Naturschutz. Das bedeutet: markierte Wege nutzen, Hunde anleinen, Brutbereiche meiden. Wer sich daran hält, wird belohnt – die Vogelwelt ist hier außergewöhnlich, und mit Fernglas lässt sich ein Vormittag füllen.
Der Wulfener Hals ist außerdem ein bekanntes Revier für Wassersport. Für Familien heißt das: Auf dem Wasser ist Betrieb, und beim Baden sollte man die Zonen respektieren, die für Surfer ausgewiesen sind. Umgekehrt ist es für Jugendliche ein guter Ort, um mit einem Kurs anzufangen.
Geeignet für: Kinder ab etwa drei Jahren, Naturfans, Familien mit Teenagern. Nachteil: wenig Schatten, kaum Versorgung am Strand – Proviant mitbringen.
3. Katharinenhof – Steilküste und Fossiliensuche
An der Ostküste liegt Katharinenhof, und der Strand dort ist der abenteuerlichste der Insel. Über dem schmalen Strandstreifen erhebt sich eine Steilküste, aus der immer wieder Material abbricht – und mit diesem Material kommen Fossilien ans Licht. Seeigel, Belemniten, Muschelabdrücke: Wer mit Kindern eine Stunde am Fuß der Steilküste sucht, findet fast immer etwas.
Das ist der Grund, warum dieser Strand auf keiner Familienliste fehlen sollte. Er ersetzt kein Badeparadies – der Einstieg ins Wasser ist steiniger als im Süden, und bei auflandigem Wind steht hier ordentlich Welle. Aber er ist ein Erlebnis, an das sich Kinder noch Jahre später erinnern.
Sicherheitshinweis: Steilküsten sind in Bewegung. Nach Regen und Frostperioden lösen sich Abbrüche. Halte mit Kindern Abstand zur Abbruchkante – oben wie unten. Geeignet für: Kinder ab etwa fünf Jahren. Nachteil: Der Zugang führt über Treppen; mit Kinderwagen ist der Strand schwer erreichbar.
4. Wallnau und der Westen – Vogelparadies statt Rummel
Der Westen Fehmarns ist der ruhigste Teil der Insel. Rund um Wallnau liegt ein großes Wasservogelreservat mit Beobachtungshütten, Lehrpfad und Ausstellung. Für Familien ist das eine ideale Kombination: vormittags Ferngläser und Bestimmungsbücher, nachmittags Strand.
Die Badestellen im Westen – etwa bei Westermarkelsdorf oder Bojendorf – sind naturbelassen, ruhig und selten überlaufen. Man hat oft das Gefühl, einen eigenen Strand gefunden zu haben. Dafür gibt es kaum Versorgung: kein Kiosk, keine Strandkorbvermietung, oft nur eine einfache Toilette am Parkplatz.
Der Sonnenuntergang über der Ostsee ist von hier aus spektakulär – ein Argument, das man mit Kindern erstaunlich gut verkaufen kann, wenn man Abendbrot in Form eines Picknicks mitnimmt.
Geeignet für: Familien, die Ruhe suchen, Naturinteressierte, ältere Kinder. Nachteil: keine Infrastruktur, Anfahrt mit dem Auto oder Rad nötig.
5. Altenteil und die Nordküste – Weite für Drachen und Sandburgen
Im Norden der Insel, in Richtung Altenteil, wird der Strand breit und der Himmel groß. Hier weht fast immer eine Brise, was zwei Konsequenzen hat: Drachensteigen funktioniert praktisch jeden Tag, und die Sonnenintensität wird gnadenlos unterschätzt. Sonnenschutz ist an dieser Küste kein Ratschlag, sondern Pflicht – der Wind kühlt so angenehm, dass man den Sonnenbrand erst am Abend bemerkt.
Der Nordteil Fehmarns ist auch aus einem anderen Grund bemerkenswert: Hier fand 1970 das legendäre Love-and-Peace-Festival statt, bei dem Jimi Hendrix einen seiner letzten Auftritte hatte. Ein Gedenkstein bei Flügge erinnert daran – für Eltern ein netter Zwischenstopp, für Teenager oft überraschend interessant.
Geeignet für: Kinder ab Grundschulalter, Drachen- und Sandburgen-Fans. Nachteil: Bei starkem Wind wird es am Strand ungemütlich; dann lieber in den geschützten Süden ausweichen.
Damit der Urlaub auch drinnen stimmt: Diese Unterkünfte auf Fehmarn bieten Meerblick und sind auf Familien eingerichtet.
Familienfreundliche Meerblick-Wohnungen auf Fehmarn
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Anreise: über die Brücke oder mit der Bahn
Fehmarn ist seit 1963 über die Fehmarnsundbrücke mit dem Festland verbunden – das markante Bogenbauwerk, das wegen seiner Form „Kleiderbügel" genannt wird. Die Zufahrt erfolgt über die B207 beziehungsweise die E47, die von Lübeck kommend über Heiligenhafen führt. Aus Hamburg braucht man je nach Verkehr rund zwei Stunden.
Wichtig für die Planung: An Sommersamstagen staut sich der Verkehr auf der Zufahrt regelmäßig, weil sich Urlauberwechsel und Fährverkehr nach Dänemark überlagern. Wer flexibel ist, reist unter der Woche oder früh am Morgen an. Mit der Bahn erreicht man Burg auf Fehmarn über Puttgarden beziehungsweise über Oldenburg in Holstein mit Busanschluss – auf der Insel selbst ist ein Fahrrad dann fast unverzichtbar.
Fehmarn mit dem Rad: die entspannteste Art, die Insel zu sehen
Die Insel ist flach, und das Radwegenetz ist gut ausgebaut. Der Rundweg um Fehmarn misst etwa 80 Kilometer – für Familien zu viel am Stück, aber hervorragend in Etappen zu fahren. Beliebt sind die Strecke von Burgtiefe nach Burgstaaken mit Hafenbesuch, die Tour von Burg zur Ostküste und die Fahrt durch das Inselinnere mit seinen Rapsfeldern und Windrädern.
Ein Hinweis, der viel Frust erspart: Der Wind auf Fehmarn ist ein ernstzunehmender Mitspieler. Plane die Rückfahrt so, dass ihr ihn im Rücken habt – mit Kindern kann eine Gegenwindstrecke von zehn Kilometern länger dauern als dreißig Kilometer mit Rückenwind.
Schlechtwetter-Plan: Was tun, wenn es regnet?
Auch die sonnenreichste Insel Deutschlands hat graue Tage. Die gute Nachricht: Fehmarn ist darauf vorbereitet. Das Meereszentrum in Burgtiefe zeigt Haie und Rochen in großen Becken, in Burgstaaken kann man ein ausgemustertes U-Boot von innen besichtigen, und die Galileo-Wissenswelt bietet Experimente zum Anfassen. Dazu kommen das Erlebnisbad am Südstrand, Indoor-Spielangebote und – für Regentage der Klassiker – der Besuch beim Bauernhofcafé mit Kuchen.
Aktuelle Öffnungszeiten und Veranstaltungen findest du gebündelt auf dem offiziellen Portal von Fehmarn Tourismus. Gerade in der Nebensaison lohnt der Blick, weil viele Betriebe verkürzte Zeiten haben.
Wo auf Fehmarn wohnen? Die Orte im Überblick
Fehmarn ist keine Insel mit einem Zentrum, sondern mit vielen kleinen Orten – und die Wahl des Standorts entscheidet stark darüber, wie der Urlaub abläuft.
Burg auf Fehmarn ist der Hauptort und das Versorgungszentrum der Insel. Hier gibt es Supermärkte, Ärzte, Restaurants, eine hübsche Fußgängerzone und den Wochenmarkt. Wer ohne Auto auskommen will oder abends Auswahl schätzt, wohnt hier richtig. Der Weg zum Strand beträgt allerdings ein paar Minuten mit dem Rad.
Burgtiefe liegt direkt am Südstrand und ist die klassische Wahl für Badeurlauber. Die Kombination aus Strand, Erlebnisbad, Marina und kurzen Wegen ist mit Kindern kaum zu schlagen. Die Bebauung ist dichter als anderswo auf der Insel – dafür stimmt die Infrastruktur.
Burgstaaken ist der Hafenort: Fischkutter, Werftbetrieb, Fischräucherei, das U-Boot als Museum. Wer maritimes Leben mag und trotzdem in wenigen Minuten am Südstrand sein will, findet hier eine gute Mischung.
Wulfen und der Südosten stehen für Ruhe, Natur und Wassersport. Von hier ist man schnell am Wulfener Hals und an den naturbelasseneren Abschnitten der Küste.
Der Norden und Westen – etwa Puttgarden, Westermarkelsdorf, Bojendorf – ist am dünnsten besiedelt. Wer Stille sucht und ein Auto oder gute Waden hat, bekommt hier die entspannteste Variante der Insel und die besten Sonnenuntergänge.
Als Faustregel gilt: Je weiter im Süden, desto flacher das Wasser und desto mehr Infrastruktur. Je weiter im Norden und Westen, desto ruhiger und ursprünglicher.
Sicherheit am Wasser: was Eltern wissen sollten
Die Ostsee ist gutmütiger als die Nordsee, aber sie ist kein Schwimmbad. Drei Dinge sollte man kennen:
Ablandiger Wind. Weht der Wind vom Land aufs Meer, ist die See spiegelglatt – und Luftmatratzen sowie aufblasbare Tiere treiben schneller hinaus, als ein Erwachsener hinterherschwimmen kann. Bei ablandigem Wind gehört Aufblasbares nicht ins Wasser.
Strömung an Landzungen. An Nehrungen und Molen kann seitlicher Zug entstehen. Bade mit Kindern lieber an den bewachten Abschnitten.
Bewachte Abschnitte nutzen. In der Saison sind mehrere Strände der Insel mit Rettungsschwimmern besetzt, erkennbar an den Türmen und den Flaggen. Rot bedeutet Badeverbot, Gelb Vorsicht, Rot-Gelb einen bewachten Bereich. Mit Kindern lohnt es sich, diese Zonen zu bevorzugen – nicht, weil die Ostsee gefährlich wäre, sondern weil ein zweites Augenpaar am Strand entspannter macht.
Treffpunkt vereinbaren. Fehmarns Strände sind lang und sehen abschnittsweise identisch aus. Ein markanter Punkt – ein bestimmter Strandaufgang, ein Rettungsturm, ein auffälliger Strandkorb – erspart die Panik, die entsteht, wenn ein Kind vom Wasser zurückkommt und die Familie nicht wiederfindet.
Feuerquallen. Im Spätsommer treten sie phasenweise auf. Ihre Berührung brennt, ist aber in der Regel harmlos. Betroffene Stellen nicht mit Süßwasser abspülen; Sand aufstreuen, antrocknen lassen und vorsichtig abstreifen hilft besser.
Was mit an den Strand gehört
Ein Strandtag mit Kindern steht und fällt mit der Ausrüstung. Was sich auf Fehmarn besonders bewährt hat:
Ein Strandmuschel oder Windschutz. Der Wind ist auf der Insel Dauergast. Eine Muschel ist bei kleinen Kindern oft wichtiger als der Sonnenschirm, weil sie gleichzeitig Schatten spendet und den Sand aus dem Essen hält.
Badeschuhe. Am Südstrand nicht nötig, an der Ostküste bei Katharinenhof dagegen sehr sinnvoll – dort liegen Steine im flachen Wasser.
Eine Schaufel für Erwachsene. Klingt albern, ist es nicht: Wer mit Kindern einen ordentlichen Burggraben bauen will, kommt mit Plastikförmchen nicht weit.
Fernglas und Bestimmungsbuch. Vor allem im Westen der Insel verwandelt das einen normalen Nachmittag in eine Expedition.
Ein Beutel für Fundstücke. Muscheln, Feuersteine, Hühnergötter, mit Glück ein Stück Bernstein – Kinder sammeln alles, und ein Beutel verhindert, dass es in der Hosentasche landet.
Wechselkleidung für alle. Nicht wegen des Wassers, sondern wegen des Windes: Nasse Kinder kühlen an der Ostsee schneller aus, als Eltern erwarten.
Kosten und Nebensaison-Rechnung
Fehmarn ist kein Schnäppchenziel, aber die Unterschiede zwischen den Reisezeiten sind erheblich. Zwischen einer Woche Mitte August und derselben Woche Mitte September liegen bei vergleichbaren Unterkünften oft mehrere hundert Euro. Dazu kommen Kurabgabe, Parkgebühren an den Strandparkplätzen und – je nach Unterkunft – Endreinigung und Wäschepakete.
Zwei Stellschrauben lohnen den Vergleich: Erstens eine Unterkunft mit eigenem Stellplatz, was über zwei Wochen einen spürbaren Betrag spart. Zweitens eine gut ausgestattete Küche – Restaurantpreise in den Strandlagen sind in der Hochsaison ambitioniert, und mit Kindern isst man ohnehin oft lieber auf dem Balkon. Wer provisionsfrei direkt beim Eigentümer bucht, spart zusätzlich die Vermittlungsaufschläge, die große Portale auf den Endpreis legen.
Die beste Reisezeit für Familien
Die Sommerferien sind die verlässlichste Zeit fürs Baden, aber auch die teuerste und vollste. Wer Kinder im Vorschulalter hat, sollte den Juni ernsthaft prüfen: lange Tage, moderate Preise, leere Strände – nur das Wasser ist noch frisch. Der September ist der Geheimtipp für alle, die keine Ferienbindung haben: Das Wasser hat den Sommer über Wärme gespeichert und ist oft angenehmer als im Frühsommer.
In den Herbstferien wird Fehmarn zur Drachen- und Sturmspaziergangs-Insel. Wer dann kommt, sollte eine Unterkunft mit gemütlichem Innenleben wählen – idealerweise mit einem Fenster, aus dem man aufs Wasser sieht.
Warum Fehmarn so viel Sonne hat
Der Ruf als sonnenreichste Region Deutschlands ist kein Marketing-Einfall, sondern hat einen meteorologischen Grund. Fehmarn liegt im Regenschatten: Feuchte Luftmassen aus Westen verlieren einen Teil ihres Niederschlags bereits über dem Festland, und die flache Insel bietet ihnen kaum Erhebungen, an denen sie sich abregnen könnten. Gleichzeitig sorgt die Lage mitten in der Ostsee dafür, dass sich Wolken über dem kühleren Wasser oft auflösen.
Für Urlauber hat das zwei Konsequenzen. Die angenehme: Man bekommt statistisch mehr Sonnenstunden als fast überall sonst in Deutschland. Die unangenehme: Der Wind, der diese Wolken vertreibt, ist praktisch immer da. Wer Fehmarn zum ersten Mal besucht, unterschätzt beides gern – die Sonnenintensität und die Kühlung durch den Wind. Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und eine Windjacke gehören auch im Hochsommer ins Gepäck. Wer sich daran gewöhnt hat, versteht schnell, warum viele Familien hier seit Generationen dieselbe Woche buchen.
Wer über den Inselrand hinausschauen möchte: Das Festland gegenüber – Heiligenhafen, Großenbrode, die Lübecker Bucht – ist in zwanzig bis vierzig Minuten erreicht. Einen guten Überblick über die gesamte Küstenregion samt Veranstaltungen gibt das Portal der Ostsee Schleswig-Holstein.
Fazit
Fehmarn funktioniert mit Kindern deshalb so gut, weil die Insel für jedes Wetter und jedes Alter etwas hat – und weil die Wege kurz sind. Vom flachen Südstrand zur Fossiliensuche an der Steilküste sind es zwanzig Minuten mit dem Auto, vom Vogelreservat zum Rummel am Hafen kaum mehr. Wer eine Unterkunft mit Meerblick wählt, gewinnt zusätzlich die Stunden nach dem Zubettgehen der Kinder: Dann sitzt man auf dem Balkon, hört die Ostsee und weiß wieder, warum man diese Insel gebucht hat.